CONORIS      Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Córdoba - Nürnberg

  Bericht vom Besuch in Córdoba - 09.02. - 12.02.2009

Drei Mitglieder der Städtepartnerschaftsinitiative Córdoba-Nürnberg besuchten in der zweiten Februarwoche Córdoba, um die Idee der Städtefreundschaft in Córdoba auf eine breite Basis zu stellen. An diesem "privaten" Besuch nahmen teil: Antonio Fernandez (Präsident des Centro Español Nürnberg Nürnberg/CEN, Sprecher der Städtepartnerschaftsinitative), Gerhard Groh (Stadtrat, Mitglied des CEN), Friedrich Popp (Mitglied des CEN, Schriftführer der Initiative).

Leitgedanke aller Gespräche war, dass Nürnberg als "Stadt des Friedens und der Menschenrechte" und Córdoba als "Stadt der drei Kulturen" sehr gut zueinander passen und dass man sich einen Austausch auf den verschiedensten Ebenen vorstellen könnte. Insbesondere legen wir bei diesen Gesprächen großen Wert auf eine Freundschaft zwischen den Bürgerinnen und Bürgern der Städte, also einer Partnerschaft, die von unten nach oben wächst.

Montag, 9. Februar

Um 11:00 Uhr besuchen wir das Büro " Córdoba Kulturhauptstadt 2016" im Rathaus.

Der Büroleiter Manuel Perez (2. v. r.) und seine Mitarbeiterin Teresa Roman (2. v. l. )haben für uns ein umfangreiches Besuchsprogramm zusammengestellt. Sie gehen geduldig auf unsere spontanen Ideen ein, sie verändern und erweitern das Programm nach unseren Wünschen.
(links: Gerhard Groh, rechts: Antonio Fernandez )

Erste Einrichtung unseres Besuchsprogramms ist um 12:00 Uhr der " Instituto de Enseñanza Secundaria Maimónides ", das Maimónides-Gymnasium, das nur ein paar hundert Meter vom Rathaus entfernt ist. Der Direktor Salvador Navarro und der Vizedirektor empfangen und sehr freundlich, sie stehen der Idee der Städtepartnerschaft sehr aufgeschlossen gegenüber. Der Direktor hat in Frankfurt das Duale Ausbildungssystem kennen gelernt und findet das sehr gut. Der IES Maimónides hat ca. 1300 Schüler/innen und besteht aus verschiedenen Zweigen (es gibt einen humanistischen und einen technischen Zweig sowie den Bereich Naturwissenschaften und Gesundheit). Der IES Maimónides wird sich zukünftig noch mehr bilingual ausrichten. Sofern Englisch als Verkehrssprache akzeptiert wird, kann man sich auch einen Schüleraustausch mit Nürnberg vorstellen.

 

 

 

Gerhard Groh mit den Direktoren des Instituto de Enseñanza Secundaria Maimónides

Um 13:30 Uhr geben wir einem Kulturjournalisten des Diario de Cordoba das erste Interview (der Artikel erscheint am Dienstag). Für den Journalisten ist es etwas Neues, dass wir einen direkten Austausch mit Menschen von der Basis suchen, da für ihn ein normaler Austausch im Wesentlichen nur auf der Ebene der Stadtspitze verläuft.

Gegen 14:00 Uhr treffen wir uns mit dem Bildhauer José Manuel Belmonte in einem Café. Der Künstler modelliert seine menschlichen Figuren zunächst in Pastelin, nach einem Negativabdruck produziert er die 2- 3 Meter großen Skulpturen in Fiberglas, das Gewicht beträgt nur 50 - 60 kg. Er hätte Interesse an einer Ausstellung in Nürnberg. Wegen der Größe bräuchte man aber eine entsprechend große Ausstellungshalle. Belmonte ist in Cordoba an mehreren Stellen mit Skulpturen vertreten.

Um 19:00 Uhr besuchen wir die Ausstellungseröffnung " Córdoba, la sexta mirada" (Cordoba, die 6. "Ansicht") im Kulturzentrum "Casa Góngora". Die Caja del Agua (die Wasserbank) hatte diese Ausstellung mit 8 Künstlern aus Córdoba schon in Brüssel in Kooperation mit dem dortigen Instituto Cervantes organisiert. Ich lerne einige Künstler und die Organisatoren persönlich kennen. So führe ich Gespräche mit Estefania Montes Wizner, der Projektmanagerin von La Caja de Agua , sowie den Künstlern Esteban Ruiz, Luis Calvo und Daniel Palacios (der mit der Videoinstallation mit deutschem Titel "Der unbekannte Einwanderer" auffiel). Der Gedankenaustausch ist leider nur sehr kurz, aber dafür sehr intensiv. Diese Künstlergruppe wäre prädestiniert für einen Austausch mit Nürnberg. Nähere Info zum Ausstellungsprojekt siehe im Internet: http://cultura.cordoba.es/doc/cat_VI_mirada.pdf ,
www.andalocio.es/cont/18117

Unser nächster Termin steht an. Eigentlich für 19:00 Uhr vorgesehen, dann auf 20:00 Uhr verschoben, kommen wir schließlich gegen 21:00 Uhr bei den Fotografen (Gruppe AFOCO ) an. Aber schon die Fahrt in den Vorort ist ein Ereignis. Unser Taxifahrer ist ein Schalke-Fan, er war in Gelsenkirchen geboren und hatte den größten Teil seines Lebens dort verbracht. Er war im Bergbau tätig und seine Geschwister leben noch im Ruhgebiet. Jede Woche erhält er von seinem Fußballverein ein E-Mail mit den wichtigsten Vereinsnachrichten.

Der Fotografenverein AFOCO (Bild links) in der Calle Antonio Maura hat viele Ausstellungen- auch auf nationaler Ebene - ausgerichtet, mehrere Mitglieder haben renomierte Preise erhalten. Intern organisiert der Verein Fortbildungen. Zwei Mitglieder hatten für einige Zeit in Deutschland gelebt. Die Vereinsmitglieder sind keine Profis, sie arbeiten ehrenamtlich. Der Vorsitzende Rafael López Naisse übergibt uns mehrere Ausstellungskataloge, möglicherweise hat AFOCO Interesse, nach Nürnberg zu kommen.

 

 

 

 

Dienstag, 10. Februar

Um 12:00 Uhr besuchen wir den " Instituto de Enseñanza Secundaria Góngora", das Góngora-Gymnasium, das nur einige Häuser vom IES Maimónides entfernt liegt. Das Institut ist in einem alten Jesuitenkolleg untergebracht, es hat eine wunderschöne alte Barockkapelle. Im Eingangsbereich befindet sich ein separater Raum für Kunstausstellungen. Der Direktor Juan Pérez Cubillo und die Vizedirektorin sind der Städtepartnerschaft gegenüber aufgeschlossen. (Bild links).

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Handelskammer treffen wir um 13:30 Uhr die Präsidentin Maria Dolores Jiménez Aguilar (im Bild r.) sowie den Direktor Luis Días Alonso (im Bild m.). Cóordoba hat keinen großen Industriesektor. Neben dem Tourismus ist vor allem die Weiterverarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte der Provinz von Córdoba von größerer Bedeutung.

 

 

 

 

 

 

 

Um 18:30 Uhr sind wir zu Besuch im Casa Ciudadana , dem Bürgerhaus, in der C/ Ronda del Marrubial. Dort führen uns José Rojas,( m.) der Präsident der Federación Asociaciones Vecinales Al-Zahara (Föderation der Bürgervereine, siehe: www.al-zahara.com ) sowie die Vizepräsidentin des Consejo del Movimiento Ciudadono (Rat der Bürgerbewegung) Teresa Caballero (l.) durch das Haus.

Zwischendurch gibt Antonio Fernandez einem lokalen Fernsehteam ein Interview.

Die Casa Ciudadana ist das zentrale Bürgerhaus der Stadt, jeder Stadtteil (außer in den Randzonen) hat ein eigenes Bürgerhaus. Die Bürgerhäuser werden von der Stadt finanziert (und mit Personal ausgestattet), die Teilnahme an den Aktivitäten in den Bürgerhäusern ist kostenlos. In den Bürgerhäusern gibt es ein eigenes demokratisches Selbstverwaltungs- bzw. Mitbestimmungssystem. Darüber hinaus gibt es in den einzelnen Stadtteilen Bürgerkomitees, die sich um die Interessen der Stadtteilbewohner kümmern. Wir tragen das Anliegen der Städtepartnerschaft etwa 20 Vertretern verschiedener Bürgervereine vor und stoßen auf großes Wohlwollen. Da diese Städtefreundschaft für alle Beteiligten etwas Neues ist, fragen einige nach, was sie machen könnten. Antonio erklärt, dass wir kein fertiges Konzept hätten und dass wir alle dieses Neue und Gemeinsame suchen müssten.

 

 

 

....zwischendurch gibt Antonio Fernandez einem lokalen Fernsehteam ein Interview.

Mittwoch, 11. Februar

Um 10:00 Uhr haben wir einen Termin im Rathaus mit Fernando Vacas vom Colectivo Amigos de Marsuf y Eureka . Fernando ist ein Multitalent, er überreicht uns einige CD`s, die er mit seiner Firma Los Amigos de Masuf (bzw. Eureka) produziert hat (siehe: www.eureka-music.com/ ). Er ist auch Organisator des Künsteraustauschprojekts " migrations". 2007 brachte er Künstler aus Córdoba nach Lissabon und 2008 nach Paris
(siehe dazu einen Spiegelartikel vom 15.01.07 : www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,455274,00.html.)
Im Rahmen des Austausches sind auch zwei Künstlerkataloge entstanden
(siehe: http://myfavoriteartgalleryinparis.com/image/menu/MIGRATIONS%2008%20CATALOGO.pdf . (6,16 MB!)

Die nächsten migrations -Projekte sind Richtung Brüssel und Berlin geplant. Ein Ausstausch mit Nürnberg wäre eigentlich naheliegend.

Schon um 11:30 Uhr findet unser Treffen mit den Poeten der Gruppe Asociación la Bella Varsovia statt. Elena Medel und Alejandra Vanessa sind die jungen Protagonisten dieser Autoren/innen-Gruppe. Die Asociación veranstaltet Poesielesungen und gibt verschiedene Bücher heraus. Wir erhalten mehrere Bücher als Geschenk.

Um 13:30 Uhr treffen wir uns in den Repräsentationsräumen des Rathauses mit den Vertretern der Parteien. Wir hatten im Vorfeld extra um diesen Termin gebeten. An der Runde nehmen teil: Maria Angela Luna Morales ( PSOE , Consejal Comercio y Transporte), Miguel Angel Torrico Pozuelo (Consejal del PP ) sowie die stellvertretende Bürgermeisterin Rosa Candelario Ruiz ( IU ). Die Bürgermeisterin und auch die Rätin des PSOE begrüßen einmütig die Bemühungen um eine Städtepartnerschaft. Auch der Vertreter des PP erklärt, dass man sich eine Städtepartnerschaft vorstellen könne, wenn beide Seiten etwas davon hätten.

Stadtrat Gerhard Groh übergibt der Bürgermeisterin einen Brief des Nürnberger Oberbürgermeisters Dr. Maly, in dem die 1. Bürgermeisterin Rosa Aguilar im September zur Verleihungszeremonie des Internationalen Menschenrechtspreises nach Nürnberg eingeladen wird.

Am Rand dieses Treffens würde der Nürnberger Oberbürgermeister gerne mit Rosa Aguilar darüber sprechen, wie und in welcher Form Nürnberg die Stadt Córdoba bei ihren Bemühungen um den Titel "Kulturhauptstadt Europa 2016" noch mehr unterstützen könnte.

 

 

 

 

Manuel Pérez Cortéz, der Koordinator des Bürgermeisteramtes, macht mit uns einen kleinen Spaziergang durch die Juderia. Zu traditionell später Stunde speisen wir - auf Einladung der Stadt Córdoba - in einem Traditionslokal zu Mittag.

Nach einer nur kurzen Siesta fahren wir abends mit Manuel in den Centro Civico Norte (Bild links). Dieses Stadtteilzentrum im Norden der Stadt ist eine Mischung aus Kulturladen, Volkshochschule und Bibliothek. Etwa 180.000 Menschen besuchen das Bürgerhaus jährlich. In der Eingangshalle drücken sich Jugendliche herum, nebenan spielen Senioren Schach. Fast alle Räume sind voller Menschen, vorwiegend Frauen besuchen das Zentrum. Es gibt Mal- und Bastelkurse, eine Yogagruppe übt fleißig, Kinder spielen Brettspiele, eine Jugendgruppe übt Tänze ein. Das Zentrum sprüht vor Leben. Beeindruckend ist, dass alles kostenlos ist. Die Verwaltung ist einerseits städtisch organisiert, zugleich ist der Consejo de Distrito Norte (der Bürgerrat/das Bürgerkomitee des Nordbezirks) dort mit eigenen Räumen beheimatet und hat im Stadtteil viel zu sagen.

An der Spitze des 10köpfigen Bürgerrats (auch Junta del barrio genannt) steht Juan Gregorio Ramírez, er ist zugleich Vertreter der Bürgermeisterin. Die drei großen Parteien benennen je ein Mitglied, die Mehrheit der Mitglieder des Bürgerrats - 6 Personen - sind jedoch von den Vereinen des Stadtteils benannte Delegierte (Senioren, Frauen, Jugendliche etc.). Alle demokratischen Entscheidungen des Stadtteilkomitees werden dem Stadtrat vorgelegt, das Komitee hat sozusagen ein Antrags- und Anhörungsrecht im Stadtrat. Umgekehrt erzählen wir von der Praxis der bayerischen Bürgerversammlungen, die ein (Ober)Bürgermeister alle zwei Jahre in verschiedenen Stadtteilen abhält, und stoßen mit dieser Idee auf großes Interesse.

 

Nachdem wir unser Anliegen der Städtepartnerschaft vortragen durften, ergreift Maria Sanchez das Wort. Maria Sanchez, Mitglied im Consejo de Distrito Norte und zugleich die stellvertretende Vorsitzende der Föderation der Bürgervereine, ist von der Idee der Städtefreundschaft begeistert und möchte das Anliegen auch in Cordoba voranbringen.

Auch der Vorsitzende Juan Gregorio Ramírez schließt sich diesen Worten an und beantragt, das Bürgerkomitee möge doch einen entsprechenden Antrag an die Stadt stellen, damit Córdoba diese Städtepartnerschaft eingehe. Der Beschluss fällt einstimmig, man bittet uns, dieses eindeutige Signal auch zu fotografieren (links). Auch der anwesende Präsident der Federación Asociaciones Vecinales Al-Zahara (Föderation der Bürgervereine), José Rojas, erklärt, er werde in der nächsten Sitzung der Föderation einen entsprechenden Eintrag einbringen.

Im Anschluss lädt man uns in einer Bar zu Tapas und Bier ein. Im Fernsehen läuft gerade das Fußballspiel Spanien gegen England, aber niemand schaut zu, wir unterhalten uns hervorragend.

Donnerstag, 12.02.2009

Am Vormittag endlich der lange ersehnte Besuch in der Mesquita-Kathedrale. Dieser Besuch ist ein einmaliges Erlebnis, man könnte den ganzen Tag dort verbringen und immer wieder neue Ecken, Blickwinkel und architektonische Hinweise entdecken.

Um 13:00 Uhr gibt Antonio erneut ein Interview mit El Diario de Córdba.

 

Gegen 14:00 treffen wir die Vereinigung der Kunsthandwerker (Bild links). Die Kunsthandwerker sind von der Idee einer Städtepartnerschaft begeistert, sie wünschen sich sowieso einen sanften Tourismus, also Besucher/innen mit Kultur- und Kunstinteressen. In dem vom Verein gemeinsam betriebenen Laden verkaufen sie verschiedenes Kunsthandwerk, v.a. Produkte aus der Region und mit modernem Design (siehe:www.artesaniadecordoba.com ). Antonio fragt nach, ob sie sich vorstellen könnten, Waren für den Christkindlesmarkt im Dezember zum Verkauf zur Verfügung zu stellen. Die Kunsthandwerker sind von der Idee des Christkindlesmarkt begeistert.

Um 15:00 Uhr sind wir mit Manuel Bellido, der im November schon in Nürnberg das Córdoba-Fest technisch begleitet hatte, verabredet.

Unser Termin um 17:00 Uhr mit einem Flamencomusiker und Musikmanager fällt aus.

 

 

 

 

Dafür dauert unser anschließender Termin bei den Sportlern 1 ½ Stunden. Wir sind um 18:00 Uhr im Palacio de Deportes Vistalegre mit verschiedenen Vereinssportlern verabredet (Schwimmen, Fußball, Gymnastik, Handball etc. - s. Bild links). Die Gruppe der Handballer kann sich eine Reise nach Nürnberg gut vorstellen.

Für den Abend sind wir noch mit einigen ehemaligen Nürnbergern verabredet, die jetzt in Córdoba wohnen.

Als Resümee dieser Tage in Córdoba können wir festhalten: wir wurden überall gastfreundlich und herzlich aufgenommen, wir führten wunderbare Gespräche und lernten viele Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen, kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Kreisen kennen.

Nürnberg, 02.03.2009

Friedrich Popp